Articles for the Month of Juli 2015

Der Weg des Herzens – wenn die Vergangenheit dich einholt

Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr einwärts noch auswärts wusste. Mein selbstgewählter Beruf erdrückte mich. Ich hatte über Jahre nach Perspektiven gesucht, die mir einen Ausweg zeigen sollten. Hatte mir ein anderes Fachgebiet ausgesucht, ein neues Studium angefangen, Kurse belegt mit dem Vorhaben, irgendwann diesen Beruf an den Nagel zu hängen. Gleichzeitig schleppte ich einen großen Stein mit mir herum. Eigentlich könnte man es rückblickend auch als eine Flasche bezeichnen. Es war die Flasche, in die ich mein Selbst gepresst hatte. Es war das, was die Erziehung und die Gesellschaft aus mir geformt hatte. Und der Stein waren die Traumas aus der Vergangenheit, die mich nicht loslassen wollten.

Aber eine Flasche ist sehr begrenzt. Sie lässt der Seele keinen Freiraum sich zu entfalten und sperrt das Selbst ein in einen Rahmen, der es von sich selbst entfernt. Von seinem Herz und dem Gefühl zu leben.

Die Seele sendet dir permanent Botschaften. Über dein Inneres, deinen Körper, aber auch über das was um dich herum ist. Dein Umfeld entsteht aus deiner Seele heraus und es zeigt dir in Spiegeln, Krankheiten in Botschaften oder in Begegnungen, wo die Reise eigentlich hingehen sollte und was du dir anschauen solltest.

Ich begann damit Traumas aus der Vergangenheit aufzuarbeiten und zu transformieren. Transformieren heißt du löst etwas so auf, das es keine Auswirkung mehr auf dich hat. Besonders schmerzvolle Ereignisse erscheinen manchmal schwer aufzulösen. Aber es ist häufig ein Wechsel der Perspektive, der die Veränderung möglich macht. Ja, sogar so tiefgreifend, das du dich an den einstigen Schmerz kaum noch erinnern kannst.

All das hatte ich schon in Teilen hinter mir, als ich den absoluten Tiefpunkt erreichte. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich wie ein Trapezkünstler den sicheren Boden verlassen sollte und vertrauensvoll ins Nichts springen sollte, ohne einen Schimmer zu haben, wo die Reise hingehen sollte.

Ich fühlte in jeder Faser, das ich loslassen musste. Das was ich als sicher erachtete. Was ich als Lebensgrundlage erachtete. Aber ich war stur und so glaubte ich,  ich könnte mich arrangieren, da ich keine Perspektive sah, ausser den Job zu kündigen, wollte ich nicht diesem Herzensruf folgen und ins Nichts springen. Und so arrangierte ich mich weiter. Von Tag zu Tag wurde meine Konzentration schwächer. Abends saß ich nurnoch vor dem Fernsehen und mein Geist war so ausgelaugt, das ich zu nichts mehr Kraft zu haben schien. An irgendeinem Punkt war es wie lebendiges sterben. Ich fühlte, wie ich immer mehr abstumpfte und in mir rief etwas um Hilfe. Ich bat um Hilfe mich aus dieser Perspektivlosigkeit zu befreien.

Ich stand vor dem schwarzen Abgrund auf den ich starrte und wusste, das ich mich diesem Gefühl der Ausweglosigkeit nicht hingeben durfte. Ich wusste, wenn ich dort hinabsank, dann würde ich vermutlich nicht mehr so leicht dort heraus kommen. Aber ich wusste auch, das wir uns unsere Realität selbst erschaffen und so setzte ich auf mein höheres Selbst. Ich wusste, das es ganz sicher nicht im Sinn hatte mich sinnlos zu quälen. Und so bat ich diesen Teil von mir, der in der Lage war alles zu verändern darum, mir eine Möglichkeit zu bieten irgendeinen Hilfsstrick, der mich daraus befreien würde.

Denn ich wollte ja Veränderung, aber ich wusste einfach nicht mehr ein noch aus.

In dieser Zeit begannen Träume, in denen ich auf einer Ebene war, wo man fliegen lernte. Ich erinnere mich an eine Schulgruppe. Wir standen zusammen auf einem Feld und übten das abheben. Das fliegen und wie wichtig es war, tief im Inneren daran zu glauben, das es wirklich funktionierte. Wie ich fühlen musste, damit ich auch fliegen konnte.

Heute weiß ich, das die Botschaft war, das ich zu meinem Herzen finden sollte. Meine Güte, hättest du mir das nicht gleich in aller Deutlichkeit sagen können? Nein.

Denn auch wenn ich die Botschaft gehört hätte, so hätte sie keinen Eingang in mich gefunden.

Ich wusste nicht, wie ich meinem Herzen vertrauensvoll folgen sollte wenn ich doch scheinbar so oft in die „falsche“ Richtung gegangen war. Dazu kam, ich hatte diesen Satz so oft gehört! Aber er hatte erst eine Bedeutung für mich, als ich angefangen hatte den neuen Weg zu beschreiten.

Mein Zustand verschlechterte sich so weit, das es eine Arbeit in dem alten Beruf völlig unmöglich machte.

Ich war plötzlich gezwungen, diesen Teil der Sicherheit ad acta zu legen und mich umzuschauen. Helfende Hände leiteten mich dabei. Ich wurde begleitet von vielen Helfern, die jeder für sich einen Teil dazu beitrugen, das ich endlich den Weg zu mir und meinem Herzen finden sollte.

Am Anfang begann es wohl damit, das ich irgendwann versuchte zu fühlen, was ich denn eigentlich will und mich endlich dieser Frage nach dem Gefühl zuwendete. Ja  es schien sogar so weit, das  jegliches Gefühl gestorben schien. Das einzige, was übrig geblieben war, war Schmerz.  Nicht meinem Herzensweg zu folgen, war wie eine Selbstvergewaltigung. Es war zu einem namenlosen Schmerz geworden, der nur noch im Herzen weh tat und brannte wie eine offene Wunde. Und so wie man sich nicht ständig in eine offene Wunde hineinfühlt, weil es irgendwann nichts mehr zu entdecken gibt und alles gesagt ist, so musste ich mich immer wieder davon abwenden. Ich fühlte, das ich dort nicht weiter kommen würde und konzentrierte mich darauf, die kleinen Ideen als Hinweise zu nehmen, die sich mir auf meinem Weg präsentierten.

Alles ist besser als still zu stehen in dem Glauben, da wo man jetzt ist, sei es sicher.

Nichts ist wirklich sicher. Sicherheit kann man nicht im Aussen finden. Nur in sich selbst. Und so gab ich es irgendwann auf, zu suchen, wo die Reise denn nun hingehen sollte. Mein Buch war ein Zwischenziel. Ein Ziel von dem ich wusste, das es ein wichtiger Meilenstein für mich war. Und rückblickend kann ich sagen, in vielerlei Hinsicht, wie ich es gar nicht erwartet hätte. Ich bin allen die mir geholfen haben unendlich dankbar und langsam habe ich das Gefühl in meinem Herzen angekommen zu sein. Ich fühle, warum ich vor einem Jahr so oft geübt habe zu fliegen, als ich noch keine Perspektive hatte und nicht mal dachte, das ich ein Buch veröffentlichen würde, obwohl ich bereits 2009 davon geträumt habe. Der Weg des Herzens ist wie fliegen. Vertrauensvoll in dir selbst zu ruhen, und alles was dir begegnet als Chance zu sehen zu wachsen. Zu teilen was du findest damit andere daran ebenso wachsen können und dich zu freuen an dem was dir begegnet.

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